Rechtliches

Eine Fotografie ist ein Parkplatz. Kleine Lektion zum Thema Nutzungsrecht

Die Geschichte ist immer sie selbe: Ein Kunde, sagen wir ein kleines Unternehmen, benötigt für einen bestimmten Zweck eine Fotografie. Er beauftragt einen Fotografen, dieses Bild für ihn zu machen. Der Fotograf gibt das fertige Bild ab, der Kunde ist zufrieden und bezahlt. Darf der Kunde nun mit dem Bild für immer und ewig machen was er will? Gehört das Bild nun dem Kunden? Nein! Ganz klar nein!

Um das zu verstehen, machen wir nun eine Analogie, die alle verstehen sollten: In einer Gemeinde gibt es ein Parkplatzproblem. Es soll mit dem Bau einer grossen Tiefgarage gelöst werden. An einer Gemeindeversammlung beauftragt das Stimmvolk die Gemeinde, das Parkhaus zu bauen. Bezahlt werden soll der Bau mit Steuergeldern, dem Geld der Bevölkerung also. Das Parkhaus wird gebaut und feierlich eingeweiht. Bis hier ist also der Ablauf genau der selbe, wie bei der Geschichte mit der beauftragten Fotografie. Und es geht weiter mit der Analogie, nur ist der nun folgende Teil – wenn es um das Foto geht – fast niemandem bewusst.

Ich fahre also mit meinem Auto in das neue Parkhaus, parke es auf einem freien Parkplatz und gehe von dannen. Nun kommt der Polizist und sagt: «He Sie, Sie müssen für den Parkplatz bezahlen.» Ich: «Warum? Das Parkhaus wurde doch in meinem Auftrag gebaut und ich habe es mit meinem Steuergeld bezahlt.» Polizist: «Ja schon, aber nun wollen Sie den Parkplatz benützen und dafür müssen Sie eine Nutzungsgebühr bezahlen.» Hier hört es im allgemeinen Verständnis auf, wenn es um die Fotografie geht. Dabei ist es genau das Gleiche. Weiter im Text.

Murrend bezahle ich also die Nutzungsgebühr, damit ich mein Auto einen Tag lang hier parken kann. Da fährt eine Bekannte von mir mit ihrem Auto auf den Parkplatz nebenan. Ich gehe zu ihr und gebe ihr mein Ticket: «Schau, ich habe schon bezahlt, hier, nimm doch mein Ticket.» Da kommt natürlich wieder der Polizist und sagt: «Halt, halt! Sie haben Ihr Ticket gelöst, damit SIE parkieren dürfen. Ihre Bekannte muss ein eigenes Ticket lösen.» Ich verstehe die Welt nicht mehr! Ich habe das Parkhaus bauen lassen, mit meinem Geld bezahlt und sogar dafür bezahlt, dass ich es auch nutzen darf. Was wollen die denn noch alles von mir? Jetzt müsste also gut sein, oder? Leider nein.

Am nächsten Tag komme ich wieder in das Parkhaus, wedle freudig mit meinem Ticket von gestern vor der Nase des Polizisten und gehe weiter. Aber der Polizist hat was dagegen: «Sie müssen heute eine neues Ticket lösen.» Ich: «WIE bitte? Ich habe doch schon dafür bezahlt, dass ich den Parkplatz nutzen darf!» Der Polizist, seufzend: «Sie haben gestern für eine Nutzungsdauer von einem Tag ein Ticket bezahlt. Heute ist ein neuer Tag, die Nutzungsdauer ist vorbei. Sie müssen für diese erneute Nutzung des von Ihnen beauftragten und bezahlten Parkplatz, erneut ein Nutzungsrecht erwerben, indem Sie ein Ticket kaufen.» Ende der Geschichte. Ämel fast.

Als Fotograf verstehe ICH die Welt nicht. Warum ist allen klar, dass man für die Nutzung eines Parkplatzes, dessen Erstellung man als Stimmbürger in Auftrag gegeben und mit seinen Steuern bezahlt hat, a) immer wieder zusätzlich ein Nutzungsrecht kaufen muss, das b) nur eine bestimmte Zeit gültig ist? Warum ist niemandem klar, dass das mit einer beauftragten und bezahlten Fotografie ganz genau gleich ist? Und warum ist es so, dass ich, aus der Sicht des Kunden, als Fotograf keine Nutzungsgebühr verlangen kann? Sie werden sagen, dass das halt nun mal so sei, dass man Parkplatzgebühren zahlen muss, weil es so im Gesetz und in Verordnungen stehe. Ja, Sie haben recht. So ist das eben. ABER: Mit der Fotografie ist es genau so, liebe Leserin, lieber Leser! Im Urheberrechtsgesetz steht klipp und klar: Der Urheber oder die Urheberin hat das ausschliessliche Recht zu bestimmen, ob, wann und wie das Werk verwendet wird. (URG 10 I) Der Urheber hat zudem Anspruch auf eine Vergütung, wenn sein Werk verwendet wird. Für die Durchsetzung dieses Anspruchs sind Verwertungsgesellschaften zuständig. Die zuständige Verwertungsgesellschaft für Fotografen ist in der Schweiz die PROLITERIS.

Sie sehen, liebe Leserin, lieber Leser, auch die Nutzung von Fotografien ist geregelt. Genau wie die Nutzung eines Parkplatzes.

Ärgernis «zvg»

Jeder Fotograf kennt sie, die nichtssagende, honorarsparende Quellenangebe «zvg» – zur Verfügung gestellt – unter seinem Bild in der Zeitung. Ein Gräuel!

Wir fotografieren für unsere Kunden. Im Werkvertrag steht klipp und klar, dass der Kunde dafür zu sorgen hat, dass bei jeder vereinbarten Verwendung des Bildes eine ordentlich Quellenangabe unter Nennung des Fotografen zu erfolgen hat. Dann geht das Bild als jpg an die Redaktion der Zeitung, diese sieht zwar in den Metadaten, dass das Bild urheberrechtlich geschützt ist, sieht aber, da es ihr ja zur Verfügung gestellt wurde geflissentlich von einer Nennung des Fotografen ab weil sie damit Geld spart und schon steht da unter dem Bild «zvg». Natürlich schicken wir der Zeitung eine Rechnung. Diese leitet sie an die Person weiter, welche das Bild «zur Verfügung gestellt» hat, die wiederum reklamiert dann beim Fotografen weil sie der Meinung ist, das Bild ja bezahlt zu haben – was sie ja auch hat – aber nicht verstehen will, dass sie der Zeitung hätte sagen müssen, dass der Name des Fotografen unter das Bild gehört.

Das mag für Menschen, welche nicht davon leben, dass sie Bilder machen, etwas beckmesserisch tönen.  Aber ich garantiere Ihnen: Wenn Sie einen Artikel in der Zeitung schreiben, dann wollen auch Sie Ihren Namen dort sehen!